Kekse und Popcorn für ein großartiges Kinoerlebnis

Wir verwenden Cookies, um den Service, die Inhalte und das Erlebnis zu optimieren und teilen Nutzungsinformationen mit Partnern für soziale Medien, Werbung und Analyse. Mit dem Klicken auf "Alle akzeptieren" wird der Verwendung von Cookies zugestimmt. Eine Entscheidung gegen die Verwendung von Cookies kann dazu führen, dass einige Funktionen der Webseite möglicherweise nicht verfügbar sind.
Filmplakat von Primadonna - Das Mädchen von morgen

Primadonna - Das Mädchen von morgen

102 min | Drama
Tickets
Szene %1 aus %Primadonna - Das Mädchen von morgen
Szene %2 aus %Primadonna - Das Mädchen von morgen
Szene %3 aus %Primadonna - Das Mädchen von morgen
Szene %4 aus %Primadonna - Das Mädchen von morgen
Sizilien in den 60er Jahren. Lia ist 21 Jahre alt, schön, eigenwillig und zurückhaltend, aber auch selbstbewusst. Sie arbeitet lieber mit ihrem Vater auf dem Feld, als der Mutter im Haushalt zu helfen. Lorenzo, der Sohn des mafiosen Großunternehmers im Dorf, ist von ihr fasziniert. Nach einem anfänglichen Flirt wagt sie jedoch, ihn zurückzuweisen. Da wendet er brutale Gewalt an. Nach der Tradition müsste sie ihn nun heiraten, denn eine „Wiedergutmachungsehe“ würde ihre „Ehre“ retten. Doch Lia tut, was niemand erwartet hätte: Sie zeigt Lorenzo als Vergewaltiger an und zieht in einen persönlichen und juristischen Kampf um ihre Selbstbestimmung.
Eine mutige junge Frau, die ihrer Zeit voraus ist. Eine wahre Begebenheit, die in Italien seinerzeit riesiges Aufsehen erregte. Und ein packender Film, der mit Lias Kampf gegen patriarchale Moralvorstellungen eine Geschichte für die Gegenwart erzählt. Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis der Filmtournee Cinema Italia 2024

Vorstellungen

Staufen Kino Göppingen
Staufen Kino Göppingen
Poststraße 36
73033 Göppingen
City 46 Kommunalkino Bremen e.V.
City 46 Kommunalkino Bremen e.V.
Birkenstraße 1
28195 Bremen
Kommunales Kino Esslingen
Kommunales Kino Esslingen
Maille 4-9
73728 Esslingen
Klick Kino Berlin
Klick Kino Berlin
Windscheidstr 19
10627 Berlin
Stadtkino Trostberg
Stadtkino Trostberg
Heinrich-Braun-Straße 1
83308 Trostberg
FSK Kino
Segitzdamm 2
10969 Berlin
Kino in der Lagerhalle
Rolandsmauer 26
49074 Osnabrück
Kino in der Brotfabrik
Prenzlauer Promenade 3
13086 Berlin
Karlstorkino
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg
Kino Breitwand Gauting
Bahnhofsplatz 2
82131 Gauting

Filmkritik

Wie gelähmt sitzt Lia (Claudia Gusmano) an der festlich gedeckten Tafel, neben ihr Lorenzo (Dario Aita), ihr Peiniger. Auch ihre Eltern und der jüngere Bruder wurden ins Haus der Mafia-Familie Musicò geschleppt, um der grausamen Zeremonie beizuwohnen. Angst, Scham und Entsetzen spricht aus ihren Gesichtern. Allein der Pfarrer ist munter und bittet um Nachsicht gegenüber der stürmischen Jugend. „Liebesflucht“, nennt er die Entführung aus dem Haus der sizilianischen Bauernfamilie, auf die eine mehrfache Vergewaltigung folgte. Eine „Wiedergutmachungsehe“, noch so ein furchtbares Wort, soll die Ordnung wiederherstellen. Doch Lia weigert sich, die Ehepapiere zu unterschreiben.

Ein „reparierender“ Eheschluss

„Matrimonio riparatore“ heißt sinngemäß: reparierende Heirat. Die vom italienischen Strafgesetzbuch gestützte Praxis sah vor, dass das Verbrechen der Vergewaltigung erlischt, wenn der Vergewaltiger sich entschließt, das Opfer zu heiraten. 1965 sprach sich die siebzehnjährige Franca Viola als erste Frau gegen diese brutale Rechtsverdrehung aus. Nachdem sie entführt und acht Tage lang vergewaltigt wurde, lehnte sie sich gegen die Eheschließung auf und brachte den Täter vor Gericht. Für die Familie hatte der Verstoß gegen das herrschende Sittenmodell schwerwiegende Konsequenzen. Die Violas wurden aus der Dorfgemeinschaft verstoßen und mit dem Tod bedroht.

Auf nationaler Ebene aber entfachten der Widerstand der jungen Frau und der darauffolgende Strafprozess eine mediale Debatte. Franca Viola wurde zu einer Wegbereiterin für Frauenrechte im Italien der Nachkriegszeit. Als Damiano Damiani den historischen Fall 1970 unter dem fragwürdigen Titel „Die schönste Frau – Recht und Leidenschaft“ mit der jungen Ornella Muti zu einem Spielfilm verarbeitete, kam die „Matrimonio riparatore“ noch immer zur Anwendung. Erst 1981 wurde der Artikel im Strafrecht abgeschafft.

Die patriarchale Macht

In ihrem Spielfilmdebüt „Primadonna“ erzählt die italienische Filmemacherin Marta Savina die Geschichte der an Franca Viola angelehnten Lia als klassische Emanzipationsgeschichte – und vor dem Hintergrund der Wahrnehmungsschärfung durch die #metoo-Ära. Lias „Fall“ rückt die patriarchale Macht in den Blick, die die Gewalt hinter der Vergewaltigung schlichtweg leugnet. Es gehöre sich nun mal, dass ein anständiges Mädchen sich wehre, so Lorenzo vor Gericht. Die kirchlichen Kräfte stehen hinter ihm, propagieren aber zugleich den Kult der Jungfräulichkeit. Eine jährlich stattfindende Marienprozession steht am Anfang des Films.

„Primadonna“ folgt weitgehend den Fakten; einige Sachverhalte hat die Filmemacherin jedoch stark vereinfacht. Lia ist einige Jahre älter als die historische Figur. Zwischen ihr und dem gutaussehenden Mafia-Sprössling gibt es lediglich einen Flirt und nicht die später von ihr gelöste Verlobung. Auch seine Vergangenheit – wegen Diebstahls und Bandenzugehörigkeit wurde er schon zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – wird nur vage angedeutet. Stattdessen tritt Lorenzo zunächst als charmanter junger Mann auf.

Beim Versuch, erwartbare Rollenbilder zu vermeiden, verrennt sich Savina allerdings in ein schräges Täuschungsmanöver. So wird die Begegnung der jungen Leute mit entsprechend kitschiger Musikuntermalung als sich anbahnende Romanze inszeniert, bevor Lorenzos autoritäres und gewalttätiges Naturell durchbricht. Auch seine Verurteilung zu einer langen Haftstrafe kommt aus dem Nichts. Schließlich ist der Film unermüdlich damit beschäftigt, die Verstrickungen der Mafia-Familie mit sämtlichen Institutionen zu untermauern.

Was es zu gewinnen gibt

Allerdings ist Savina nicht primär am Justizdrama interessiert. Ihr Fokus liegt auf dem Widerstand der Protagonistin und den Folgen der gesellschaftlichen Ächtung im Familiengefüge. Die Demütigungen und Schikanen nehmen kein Ende. Lia wird der Eintritt in die Kirche verwehrt, dem Vater verbrennt man Felder und Weinberge, sodass die Familie um ihre Lebensgrundlage gebracht wird. Ein hochnäsiger Anwalt, der sich bereiterklärt, die Klägerin vor Gericht zu verteidigen, lässt sich von den Musicòs kaufen. Auf der anderen Seite gibt es die Gruppe der Ausgestoßenen: neben Lia die Prostituierte Ines und der aus dem Amt gejagte schwule Ex-Bürgermeister Orlando. „Gewonnen haben wir nichts“, sagt der Vater nach der Urteilsverkündung. Savina möchte das aber nicht so stehen lassen. Lias Blick in die Kamera ist der einer Gewinnerin.

Erschienen auf filmdienst.dePrimadonna - Das Mädchen von morgenVon: Esther Buss (21.3.2025)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
Über Filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de