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Filmplakat von Für immer hier

Für immer hier

136 min | Drama, Historie | FSK 6
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Rio de Janeiro, Anfang der 1970er Jahre. In einem gemieteten Haus am Strand lebt die Familie Paiva: Vater Rubens, Mutter Eunice und ihre fünf Kinder. Auch mit der allgegenwärtigen Unterdrückung bewahren sie in ihrem Zuhause eine Atmosphäre der Liebe, des Humors und der Offenheit. Ihre Zuneigung zueinander wird zu einem stillen Akt des Widerstands gegen die Diktatur, die ihr Leben radikal verändert. Als Rubens verschwindet, wird Eunice zur treibenden Kraft, um ihrer Familie eine neue Zukunft aufzubauen. Den Herausforderungen dieser dunklen Zeit begegnet sie mit Mut, Entschlossenheit und dem unerschütterlichen Glauben an ihre Kinder. Diese bewegende Geschichte wirft ein Licht auf die verschwiegenen Kapitel der brasilianischen Geschichte und würdigt die Stärke einer Frau, die trotz widrigster Umstände niemals aufgibt.
  • RegieWalter Salles
  • ProduktionsländerBrasilien
  • Produktionsjahr2025
  • Dauer136 Minuten
  • GenreDramaHistorie
  • AltersfreigabeFSK 6
  • IMDb Rating8.7/10 (80142) Stimmen

Vorstellungen

Tichelpark Cinemas Kleve
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Tichelstraße 12a
47533 Kleve
Kinorama Unna
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Massener Straße 32-38
59423 Unna
Regina-Palast Leipzig
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Dresdner Straße 56
04317 Leipzig
Central-Kino Hof
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Altstadt 8
95028 Hof
Lichtburg Filmpalast Oberhausen
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Elsässer Straße 26
46045 Oberhausen
Cinecity und Kammer Filmtheater Crailsheim
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Worthingtonstraße 10
74564 Crailsheim
Kino Aurich
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26603 Aurich
Passage Kinos Leipzig
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04109 Leipzig
Programmkino Ost Dresden
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01277 Dresden
Hackesche Höfe Kino Berlin
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10178 Berlin

Filmkritik

„Für immer hier“ beginnt mit Bildern einer vermeintlich heilen Welt, mit ein paar Minuten reinen Sommerglücks einer Großfamilie. Sonne, blauer Himmel, heißer Sand und kühles Wasser. Coming-of-Age und Beachvolleyball. Die Zahnfee besucht die kleine Schwester, es gibt ein adrettes Dienstmädchen, ein schönes Haus direkt gegenüber der Copacabana; man hat einen Hund, hört gute Musik von Maria Bethania und Gilberto Gil wie die neuesten Bands aus Europa: Beatles, Stones, Doors. Fast meint man sich in „Roma“ von Alfonso Cuarón versetzt, der etwa zur gleichen Zeit, Anfang der 1970er-Jahre in Lateinamerika spielt, allerdings in einer Demokratie.

Die tiefen Schatten des Regimes

Regisseur Walter Salles und seinem Kameramann Adrian Teijido gelingt es im ersten Drittel des Films hervorragend, alles in der Schwebe zu halten. Von Beginn an werden auch Warnsignale und kleine Irritationen eingestreut: der Hubschrauber, der bedrohlich niedrig über dem Strand fliegt, der bange Blick der Mutter Eunice (Fernanda Torres), während sie im Meer vor Rio de Janeiro schwimmt, die Telefonanrufe und unklaren Geschäfte des Vaters, die Militärlastwagen auf der Straße, brutale Straßensperren und demütigende Kontrollen, die die Teenager treffen, wenn sie abends mit Freunden auf eine Party fahren.

Und doch taucht man zunächst voller Empathie in das schöne Leben einer begüterten brasilianischen Familie ein, aus deren bildungsbürgerlichem Hintergrund und im Vergleich zu den Armen privilegiertem Dasein der Film kein Hehl macht. Er erweckt das Rio der 1970er-Jahre durch seine Kameraführung zu flirrendem Leben. Er imitiert die Ästhetik der Super-8-Heimvideos, zeigt jugendliche Fröhlichkeit und eine ausgelassene Lust aufs Dasein. Auf diese Weise wiegt einen „Für immer hier“ zunächst ganz bewusst in Sicherheit – und führt damit in die Irre. Denn der Schatten des Regimes ist für alle, die ihn sehen wollen, jederzeit präsent. Allerdings macht es der Film leicht, zunächst darüber hinwegzuschauen und sich nostalgischen Gefühlen und dem Familienglück hinzugeben. Damit spiegelt der Film genau die Erfahrung des Lebens unter einer Diktatur, die vom Wegsehen-Können und -Wollen lebt. Er suggeriert, dass es unter einer Diktatur so etwas wie ein heiteres Leben geben könnte. Genau das aber gibt es nicht. Und das will der Film zeigen.

Entführung, Folter, Tod und der Umgang damit

Es geht um diese Familie und ihr weiteres Leben im Brasilien der Militärdiktatur, wofür es reale Vorbilder gibt: den ehemaligen Kongressabgeordneten der Arbeiterpartei, Rubens Paiva (1929-1971), seine Ehefrau, die spätere Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Eunice Paiva, sowie ihre fünf gemeinsamen Kinder. Man ist oppositionell, der Vater ein ehemaliger Abgeordneter, der jetzt als Geschäftsmann arbeitet, aber heimlich Teil eines Widerstandsnetzwerkes ist. Im Januar 1971 wird Paiva vom Geheimdienst verhaftet. Auch seine Frau und eine Tochter werden in dunkle Gefängniszellen geworfen, verhört und psychisch gefoltert. Sie kommen nach einigen Tagen wieder frei, doch der Vater, von dem jede Spur fehlt, kehrt nie wieder zurück.

Im weiteren Verlauf des Films geht es darum, wie die Familie mit ihrem Schicksal umgeht. Zur zentralen Figur wird dabei die Mutter Eunice, die ihre Kinder neu ausrichtet und die Erinnerung an den Vater pflegt, aber auch den widerständigen Geist der Kinder beim geschmeidigen Umgang mit den Behörden des Regimes.

Die vergessene Diktatur in Brasilien

Wenn es um die lateinamerikanischen Diktaturen geht, gerät die Militärdiktatur in Brasilien, die von 1964 bis 1985 dauerte, im Vergleich zu denen von Chile und Argentinien oft in Vergessenheit. Das liegt an der zivilen Maskerade, mit der sich dieses autoritäre Regime umgab, aber auch daran, dass es keine zentrale charismatische Führerfigur gab, sondern wechselnde, von einer Junta bestimmte Präsidenten. Ebenso werden die massiven Repressionen und die hohe Zahl der „Verschwundenen“ vergessen, wie die vielen hundert Menschen euphemistisch genannt wurden, die von den Schergen der Diktatur entführt und ermordet wurden. Bis zum heutigen Tag bleibt das Schicksal von knapp hundert Menschen unaufgeklärt.

Dieser Geschichte hat sich Walter Salles jetzt angenommen. Ruben Paivas Tod wurde seiner Familie erst 25 Jahre nach dessen Entführung und elf Jahre nach Ende der Diktatur bekannt. Salles und das Drehbuch von Murilo Hauser und Heitor Lorega verzichten darauf, den Film auf die Spannungsmomente hin zu konzentrieren oder den Passionsweg nachzuzeichnen, den Paiva durchlebte, nachdem er inhaftiert und gefoltert wurde. Stattdessen versucht „Für immer hier“ sein Schicksal in der Erfahrung der Familie zu spiegeln, in der schrecklichen Ungewissheit, den Ahnungen und Fantasien sowie der alltäglichen Angst vor dem Staat.

Die Anwesenheit des Abwesenden

„Für immer hier“ ist damit kein Film über Folter und Verhöre, sondern ein Film über Abwesenheit und deren Anwesenheit in der Erinnerung. Diese Erfahrung klingt bereits im Titel an, bezieht sich in gewisser Weise aber auch auf das Kino selbst und dessen Kraft, die Chronologie aufzulösen, ohne sie zu leugnen, und das Vergangene zu evozieren, die Toten wieder zum Leben zu erwecken – aber als Tote, damit auch der Schmerz des Verlustes am Leben erhalten wird.

Eines der wichtigsten visuellen Leitmotive sind deshalb die Super-8-Filme, das Fotografieren und die vielen Fotografien der Familie, die gegen Ende zunehmend mit den Bildern der realen Paiva-Familie gemischt werden. Auf den Porträts beim Abschied der ältesten Tochter, die zum Studium nach London geht, wird der Zusammenhalt einer Großfamilie deutlich, die abseits der militärischen Kontrollen und der drohenden Repressionen vergnügt und frei lebte. Einige Jahre später nimmt sich die Familie erneut auf, beim erzwungenen Abschied aus ihrer geliebten Villa, ohne Vater, dessen Fehlen in den internationalen Medien angeprangert wird.

Mit solchen Mitteln konstruiert Salles eine Poesie der Leere. Es geht um die Frage, wie man eine solche Abwesenheit überleben kann, ohne die Spuren der Erinnerung zu verwischen. Der sehr bewegende, klug aufgebaute Film gibt wichtige Einblicke in die jüngere Geschichte Brasiliens. Vor dem Hintergrund der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro, einem Ex-Militär, der die Verbrechen der Diktatur schlichtweg leugnete, sowie den aktuellen autoritären Tendenzen in der westlichen Welt besitzt „Für immer hier“ eine schmerzhafte Aktualität und eine irritierende politische Brisanz.

Formal hat der Film brillante Momente, vor allem in seinem ersten Teil, während das letzte Drittel dramaturgisch etwas abfällt, vermutlich auch aus moralischer Verantwortung gegenüber den realen Protagonisten der Paiva-Familie. Dann wirkt er mitunter unnötig gerafft und etwas plakativ; auch schiebt sich ein Übermaß an moralischer Rhetorik ins Zentrum. Ungeachtet solcher Einschränkungen ist „Für immer hier“ der bislang beste Film von Walter Salles.

Erschienen auf filmdienst.deFür immer hierVon: Rüdiger Suchsland (29.7.2025)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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